Wie baut man eine weltmeisterliche XCO-Strecke?

Heuer kam vieles unverhofft und hat all unsere Pläne öfter als einmal durcheinandergeworfen. Da musste alles erst mal neu sortiert werden. Dabei kamen ein paar Dinge weg und dafür ein paar andere wieder dazu. Und so entstand auch, dass gerade eine Mountainbike Cross-Country-Strecke in Leogang gebaut wird. Und das hab ich mir genauer angesehen.

Die Zeit tickt

Die UCI World Championships 2020 rücken stetig näher. Von 7. bis 11. Oktober dürfen wir im EPIC Bikepark Leogang gleich in drei Mountainbike-Disziplinen Weltmeister küren: Downhill, Cross-Country und E-Mountainbike. Die beiden letzten Disziplinen übernahmen wir Anfang Juli von Albstadt, die eigentlich die Weltmeisterschaften dieser Disziplinen im Juni veranstaltet hätten. Leider war zu dieser Zeit noch nicht an Großveranstaltungen zu denken und so wurden die Entscheidungen zu uns nach Leogang verlegt. Nicht selbstverständlich, denn bis jetzt gab es in Leogang keine Cross-Country-Strecke, die man ja nunmal für diese Rennen braucht. Doch das hielt uns nicht lange auf. Viele kreative und organisierte Leute haben ihre Köpfe - natürlich mit Abstand - zusammengesteckt und in kürzester Zeit ein Konzept für einen Cross-Country am Fuße des Asitz ausgearbeitet. Einer davon ist Mark Hauser. Er hat schon im Jahr 2012 die Strecke in Saalfelden gemanaged und zeigte uns letzte Woche wie es mit den Vorbereitungen für die Cross-Country WM vorangeht.

Die Aufgaben

Die Vorgaben der UCI für die Cross-Country- und E-Mountainbike-Strecke umfassen 15 Seiten im Organisations-Guide. Dort stehen alle Details und Anforderungen an die Strecke und Mark kennt sie wie seine Westentasche. Es ist festgelegt wie lange der Kurs sein muss, wie Start und Ziel gestaltet werden müssen, wie die Feed & Technical Area aussehen muss und vieles mehr. Zu Marks Aufgaben zählt dafür zu sorgen, dass vor Ort alles rund um die Strecke passt. Außerdem macht er die Begehungen mit den Grundstücksbesitzern, der BH, dem Naturschutz und den Rettungskräften. Er bestellt das Material, konzipiert die Beschilderung und gibt an wie viele Streckenposten - auch Marshalls genannt - während Training und Rennen gebraucht werden. Was er nicht macht? Mit Schaufel und Motorsäge den Weg präparieren. Das macht das Shaper-Team des Bikepark Leogang!

Der Kurs ist entscheidend

Mein Wissen über die olympische Disziplin war bis zur Streckenbegehung mit Mark wirklich sehr dürftig. Das hat sich jetzt gewaltig geändert und ich teile mein neuerworbenes Wissen natürlich gerne mit euch! Der Rundkurs soll ca. 4 km lang sein - unserer wird 3,9 km haben. Die Athleten fahren diese Runde dann 5-6 Mal in Folge. Wie oft sie sie wirklich fahren müssen, wird während dem Rennen entschieden. Ausschlaggebend ist die erste Rundenzeit, denn jedes Cross-Country-Rennen soll ca. gleich lange dauern. Das heißt, dass Cross-Country ein sehr taktischer Sport ist. Ungefähr bei der Hälfte der Runde gibt's die Feed & Technical Zone. Hier sollen die Fahrer so oft wie möglich vorbei kommen, denn dies ist quasi ihr "Boxenstopp". Nur dort darf der Fahrer zu seinem Technikteam. Beim Cross-Country gibt es einen Massenstart und die Zieleinfahrt muss ein Sprint sein - da darf es nicht bergab gehen. Bei der Strecke selbst gibt es A- und B-Linien. Die A-Linien sind die schnelleren und technisch anspruchsvolleren. Die B-Linien werden liebevoll "chicken lines" genannt. Man braucht für sie länger, aber sie sind dafür weniger schwierig zu fahren.

Die Leoganger WM-Strecke

Zwei Monate für eine komplett neue Strecke sind wenig. Erschwerend kommt hinzu, dass ein neuer Kurs so gebaut werden muss, dass er von Beginn an die Belastung von mehreren Rennen in einer Woche standhält. Aus diesem Grund verwenden wir für die neue Strecke Wander- und Forstwege, den Riders Playground und Teilbereiche von zwei bestehenden Trails. Diese sind schon fest und geben den perfekten Untergrund. Die bestehenden Wege werden attraktiv mit neu gebauten Abschnitten kombiniert und ergeben somit eine abwechslungsreiche und anspruchsvolle Strecke für die WM im Oktober.

Schwarze Piste trifft XCO-Strecke

Nach der Begehung der geplanten Strecke war ich sprachlos. Die Athleten haben da wirklich einiges zu leisten - dieses Rennen wird kein Honigschlecken. Teilweise werden die bestehenden Trails sogar in die Gegenrichtung gefahren. Das heißt normalerweise fahren die Downhiller da runter, wo die Cross-Country-Fahrer dann im Oktober rauftreten. Am meisten verblüfft hat mich, als mir Mark erzählt hat, dass ein Teil der neuen Strecke bergauf über die schwarze Piste verläuft. Ja gut, sie fahren schon Schlangenlinien, aber nur, damit der Kurs länger ist. Also die Fahrer haben meinen höchsten Respekt!

Am 7. Oktober geht's los

Der Stichtag kommt immer näher. Am 7. Oktober findet der erste offizielle Bewerb auf der Strecke statt - die Cross Country Teamstaffel. Ihr könnt alle Entscheidungen der UCI World Champs 2020 presented by Mercedes-Benz live auf redbull.tv und ORF Sport+ mitverfolgen! Alle Infos findet ihr auf www.bikewm2020.com! Also fleißig einschalten und staunen!

 

Bilder: Michael Geißler