Wanderrucksack richtig packen – die besten Tipps von Bergführer Georg Oberlechner

Wasser, Regenschutz und Müsliriegel, oder? So die übliche Vorstellung der Must-Haves im Wanderrucksack. "Ganz so einfach ist es nicht", erklärt Bergführer Georg Oberlechner und führt uns ein in die große Welt des richtigen Packens. Wer hätte gedacht, was richtiges Gepäck alles kann? Es bietet Schutz vor Wetter, Verletzungen, bösen Überraschungen und: Es macht das Wandern einfach besonders angenehm!

"Rucksack packen ist nur ein Teil der Tourenvorbereitung, und diese wiederum Teil des gesamten Tourenablaufs, der aus Planung, Vorbereitung, Tour und Reflektion besteht", erklärt Georg und hebt hervor, dass Inhalt und Größe des Rucksacks von der Schwierigkeit und Länge der jeweiligen Tour, den Witterungsbedingungen und den individuellen Bedürfnissen abhängen.

Welcher Rucksack wofür?

Bevor wir unseren Rucksack tatsächlich packen – welche Art von Rucksack ist denn eigentlich empfehlenswert. Für Tagestouren rät Georg entweder zu einem Wanderrucksack mit ca. 20–30 Litern Fassungsvermögen mit verstellbarem, breitem Hüftgurt, auf dem das Hauptgewicht des Rucksacks liegt, und mit Regenschutzhülle. Je nach persönlichen Vorlieben kommt entweder ein Rucksack mit vielen Extras und verschiedenen Fächern oder auch ein ganz minimalistischer und einfacher, dafür wasserdichter, "Tunnelrucksack" zum Einsatz. Bei Mehrtagestouren wird etwas mehr Platz benötigt, ein variabel erweiterbarer Rucksack, beispielswiese mit einem Fassungsvermögen von 40 + 10 Litern, macht hier Sinn.

 

Wie die Ladung verteilen?

Was kommt wohin? Am besten im äußeren Deckelfach aufgehoben sind Sachen, die während der Wanderung immer wieder mal gebraucht werden. Die innere Deckeltasche wiederum ist perfekt für sensible, schützenswerte Sachen, z.B. die Sonnenbrille. Bekleidung oder bei Mehrtagestouren ein Schlafsack kommt eher unten und hinten in den Rucksack, die schwersten Dinge sollten nahe am Rücken liegen.

Packe, packe Rucksack

Was solltest du nun wirklich in deinen Wanderrucksack packen?

Kleidung

Zusätzlich zur Kleidung, die man am Körper trägt (Funktionsunterwäsche und –socken, leichte Wanderhose und –Shirt, Wanderschuhe) benötigt man 1 Wechsel-T-Shirt, eine leichte Jacke mit Kapuze, eine Weste, Mütze bzw. Multifunktionstuch, Regenschutz, dünne Handschuhe und Sonnenbrille. Für Shirt und Socken empfiehlt Georg Merinowolle, da das Material natürlich ist, nicht stinkt, bei Kälte sehr gut wärmt und bei warmen Temperaturen natürlich kühlt.

Was immer dabei sein sollte (Schutz- und Notfallausrüstung)

Immer mitnehmen solltest du eine Trinkflasche mit ausreichend Wasser, Snacks, Bargeld und Versicherungskarte, Erste-Hilfe-Set, Handy, Tape, Sonnenschutz, Taschentücher, Messer und Stirnlampe. Im Erste-Hilfe-Set sollte sich u.a. eine Trillerpfeife befinden, die in Kombination mit der Stirnlampe für das alpine Notsignal genutzt werden kann: Im Notfall 6 x pro Minute ein Signal absetzen, der Empfänger antwortet dann mit 3 akustischen oder sichtbaren Signalen pro Minute.

Witterungsabhängige Kleidung und Ausrüstung

Ist es durch Jahreszeit, Witterung oder Höhe der Tour leicht möglich, dass es kalt wird, empfiehlt Georg zusätzliche Kleidungsschichten (z.B. Primaloft-Jacke, wasserfeste Fäustlinge, Überhose), Gamaschen und eine dicke Mütze. An heißen Sommertagen freut man sich dafür über eine kurze Hose und ein Kapperl als Sonnenschutz.

Führerausrüstung (optional)

Wer ohne Bergführer oder Wanderführer unterwegs ist, sollte immer eine Wanderkarte, Führerliteratur, einen Höhenmesser, GPS-Gerät und Kompass dabei haben.

Die 10 besten Tipps und Tricks von Bergführer Georg

Wer wie Georg schon jahrelange Erfahrung im Bergsteigen hat, sowohl privat als auch als Bergführer und beim Militär, kennt einige ganz spezielle Tipps und Tricks beim Packen. Dankenswerterweise hat er uns die besten davon verraten.

 1.  Fototasche mit Fotoapparat außen am Rucksack befestigen.

 2.  Den Cardfolder "Bergwandern" oder "Hochtouren" vom Österreichischen Alpenverein mitnehmen und auch zur Vorbereitung nutzen.  

 3.  Trinkflasche außen am Rucksack befestigen und/oder Trinkflasche mit Schlauch im Rucksack mit einem Handschuh isolieren. An kühlen Tagen eine Thermoskanne mit Tee mitnehmen.

 4.  Dinge einpacken, die mehrere Zwecke erfüllen: Schuhbänder (Schnürsenkel) als Ersatz oder um etwas zusammen zu binden, ein Biwaksack mit Ponchofunktion als Schlafsack oder Regenschutz, ein Dreieckstuch als Handtuch, Halstuch oder für Unfälle. Und eine ganz spezielle Erfindung: Einen Kunststoffsack, der mit zugeschnittener Isoliermatte ausgekleidet wird - zum Isolieren von Getränken (bei langen Touren gerne auch etwas Zuckerhaltiges), als Sitzunterlage, als Rückenschutz oder zum Schienen von Verletzungen.

 5.  Bei leichten Wanderungen und Spaziergängen einen Regenschirm einpacken.

 6.  Einen (!) Wanderstock mitnehmen. Bei den Steckensharing-Stationen, z.B. am Ausgangspunkt der Peter-Wiechenthalerhütte, kannst du dir auch ganz einfach einen Stock für deine Wanderung ausleihen.

  7.   Kleine, verschließbare Plastiksackerl für Geld usw. verwenden. Größere, wasserdichte Beutel sind perfekt für allerlei Kleinzeug, v.a. bei Mehrtagestouren.

  8.   Dünne Arbeitshandschuhe schützen und wärmen. Mit einem kleinen Loch an einem Finger kannst du auch das Handy gut nutzen.

  9.   Einen Steinschlaghelm für anspruchsvollere Touren im Steinernen Meer und den Leoganger Steinbergen mitnehmen.

 10.  Minimalistisch für die Mehrtagestour: Ein Dreieckstuch als Handtuch gemeinsam mit Zahnputzzeug, Ohrenstöpsel, Flickzeug, Magnesium und Salz ergänzen die normale Packliste bei mehrtägigen Touren.

Die komplette Packliste gibt es hier als PDF zum Download.

Georg Oberlechner führt gemeinsam mit seiner Frau Dany die Berg- und Kletterschule MOUNTAIN-MYSTICS. Seit 2005 ist er als staatlich geprüfter Berg- und Skiführer tätig. Durch seine Ausbildung beim Militär zum Heeresbergführer und seine langjährige Erfahrung im Lehrteam der Gebirgsausbilder sowie auf unzähligen Berg- und Klettertouren weiß er ganz genau, was in einen Wanderrucksack gehört und wie richtig gepackt wird. Was er auf Wandertouren nie mehr vergisst, sind Sonnenbrille und zu wenig Wasser – aus Erfahrungen lernt man eben.

 

Interessante Links:

Cardfolder Österreichischer Alpenverein

Rucksack richtig packen

Bilder: Georg Oberlechner / Sportalpen