Wandern auf Wiffs Wegen

Über 400 Kilometer Wanderwege warten in Saalfelden Leogang darauf begangen zu werden. Jeder einzelne davon ist bestens gepflegt, und dahinter stecken Männer wie Wilfried "Wiff" Lederer. Seit 17 Jahren kümmert sich der sympathische Mittfünfziger um die Instandhaltung der Wanderwege in der Region.

Orientierung und Sicherheit

"Sobald der Schnee weg ist, beginne ich die Wege abzugehen. Meistens ist es so, dass ich schon auf der Südseite unterwegs bin während auf den Nordhängen die Gäste noch Ski fahren", erzählt Wiff. Ausgestattet mit einem Werkzeuggürtel macht er sich auf und inspiziert den Zustand der Wege nach dem Winter. Als erstes wird überprüft, ob die wichtigsten Sicherheitsvorkehrungen und Beschilderungen noch intakt sind: "Die Leute müssen sich orientieren können und vor allem muss die Sicherheit gegeben sein. Das sind die wichtigsten Dinge, die man gleich zu Beginn macht. Dabei sieht man dann auch, ob sonst etwas beschädigt ist und was es noch zu tun gibt." Kleinigkeiten erledigt Wiff sofort, größere Arbeiten macht er gemeinsam mit seinen Kollegen vom Bauhof.

Wanderungen mit der Motorsäge

Wie viel Arbeit im Frühjahr auf ihn wartet, weiß er meistens schon im Herbst zuvor: "Wenn alles noch steht, wenn die Bäume noch Blätter tragen wenn der erste Schnee kommt, dann knickt alles ein und liegt dann kreuz und quer herum." erklärt er. "Es gab schon Saisonen, da bin ich tagelang mit der Motorsäge herumgewandert um die ganzen Wege von abgebrochenen Ästen und umgeknickten Bäumen zu befreien." Dabei kommt ihm seine mittlerweile viele Jahre umfassende Erfahrung zugute: Viele Aufgaben erahnt Wiff schon im Vorfeld und hat dann gleich alles dabei, was er zur Behebung der Schäden braucht. Das ist bei einem Job, für den man den Großteil der Arbeitswege zu Fuß zurücklegt und auch teilweise schweres Werkzeug mit sich führen muss, ein nicht zu unterschätzender Vorteil: "Heute erledige ich viele Arbeiten beim ersten Mal, während ich früher drei Mal auf und ab gerannt bin", lacht der gelernte Maschinenmechaniker. Dass seine Arbeit von den Wanderern meistens gar nicht so wirklich wahr- sondern für selbstverständlich genommen wird, stört Wiff nicht. "Es fällt kaum jemandem auf, dass da sehr viel Arbeit drinnen steckt. Aber das ist halt so. Ich bin sehr froh über meinen Beruf, das passt schon." Dass auch immer wieder - meist über Umwege - Hinweise an ihn herangetragen werden, beispielsweise zu einer fehlenden Beschilderung oder einer kaputten Bank, sieht Wiff positiv und nicht als Kritik: "Dann weiß ich Bescheid und kann es in Ordnung bringen."

Stille statt Hektik

Dass immer mehr Menschen auf "seinen" Wegen unterwegs sind, ist natürlich auch Wiff nicht verborgen geblieben. Seine Erklärung dafür klingt logisch: "Die Natur und die Stille sind ein wunderbarer Kontrast zu der ganzen Hektik, die viele Menschen sonst in ihrem Alltag erleben. Beim Wandern gehst du einfach los, und da ist nichts. Nur Natur." Übrigens: Wer glaubt, dass jemand, der Woche für Woche beruflich wandert, am Wochenende eher mal die Beine hochlegt, der täuscht sich. Zumindest im Fall von Wiff. Mit seinem Hund ist er auch privat viel unterwegs, dann aber meist auf jenen Wegen, die nicht so bekannt sind. Im Vergleich zu anderen Wanderern hat er allerdings einen kleinen Nachteil: "So ganz ausblenden kann ich die Arbeit natürlich nicht, weil mir immer wieder etwas auffällt", lacht er. "Aber das merke ich mir dann einfach. Reparieren tu ich am Wochenende nämlich nichts."

Bilder: Florian Lechner