Verhalten mit Weidevieh - 7 Tipps von Biobauer und Almwirt Markus Stöckl

Sind Kühe jetzt eigentlich gefährlich? Immer öfter liest man von Vorfällen in Almgebieten, bei denen Wanderer von Weidetieren angegriffen werden. Doch kann man sich vor solchen Ereignissen auch schützen? "100% Sicherheit gibt es nicht, schließlich sind es Tiere", meint Biobauer Markus Stöckl. Allerdings gibt es sehr wohl gute Möglichkeiten um die Gefahr so gering wie möglich zu halten. Und diese verrät er uns heute.

1. Vorsicht bei Kühen mit Kälbern

Der Mutterinstinkt ist auch bei Rindern stark ausgeprägt. Deshalb ist bei Kühen mit kleinen Kälbern besondere Vorsicht geboten, schließlich wollen die Mütter ihre Kälber schützen. Bei solchen Herden mit Kälbern handelt es sich um Mutterkühe, die insgesamt etwas weniger an engen Kontakt mit Menschen gewöhnt sind als Milchkühe, die normalerweise weniger gefährlich sind. Und was ist mit dem Stier? "Ein Stier ist im Normalfall nicht gefährlicher als eine Kuh mit Kalb, wobei junge Stiere prinzipiell weniger gefährlich und zornig sind als alte Stiere", so Markus.
 

2. Hunde an die Leine

Grundsätzlich gilt im gesamten Gemeindegebiet von Saalfelden und Leogang eine Leinen-Pflicht für Hunde. So auch beim Wandern auf der Alm. Falls eine Herde Weidevieh dabei auf einen zukommt? "Dann kommt es auf den Hund an, was zu tun ist. Je nach Temperament kann es geschickter sein, ihn loszulassen oder ihn an der Leine zu behalten", meint Markus und empfiehlt, der Situation angepasst zu handeln.
 

3. Anzeichen beachten

Erkennt man eigentlich schon vorab, ob eine Kuh oder ein Pferd in Angriffslaune ist? Auf jeden Fall! Bei Kühen äußerst es sich so, dass sie extrem aufmerksam auf die Person schauen, die vorbeikommt. Wenn die Kuh angreifen will, kann es außerdem sein, dass sie mit dem vorderen Fuß scharrt, den Kopf absenkt und seitlich dreht. Dann ist große Vorsicht geboten! Bei Pferden erkennt man schlechte Laune am Anlegen der Ohren.

4. Richtig reagieren

Grundsätzlich gilt es, Abstand vor Weidetieren zu halten. Wenn man sich einer Weide nähert, sollte man nicht unbedingt auf die Herde zugehen, sondern nebenbei vorbeigehen, eventuell sogar etwas ausweichen. Auf keinen Fall unnötig nahe hingehen und die Tiere streicheln oder Fotos machen. Und was, wenn ein Tier tatsächlich Anzeichen zum Angriff macht oder auf einen zukommt? "Als Mensch muss man, wenn möglich, ausstellen. Kommt die Kuh auf einen zu, hilft es, ihr mit einem Stock fest und gezielt auf den Kopf zu schlagen", rät Markus. Also: Wanderstöcke nicht vergessen oder auf der Strecke einen Stock sammeln!
 

5. Achtung: Radfahrer und Kinder

Zwei Gruppen, die besonders erwähnt werden müssen, sind Radfahrer und Kinder. Ist man mit dem Fahrrad unterwegs, sollte man unbedingt langsam fahren und möglicherweise das Rad sogar vorübergehend schieben - je nach Situation. "Oft sehe ich auf unserer Alm auch, dass Eltern und Kinder nicht gemeinsam, sondern in weitem Abstand voneinander gehen", erzählt Markus und empfiehlt Familien, im Weidegebiet sicherheitshalber zusammen bleiben.
 

6. Taschen verstecken

"Einmal ist meinem Bub etwas passiert, und zwar hat ihn beim Salzen eine Kalbin gestoßen und er erlitt einen Schlüsselbeinbruch", schildert Markus einen unglücklichen Vorfall auf seiner Alm. Folglich ein ganz wichtiger Tipp gerade für Schwammerlsucher: Taschen in der Nähe von Weidevieh verstecken. Sonst glauben die Kühe nämlich, dass sich Salz oder Kraftfutter darin versteckt und kommen deshalb besonders nahe.
 

7. Ziege, Schaf & Schwein richtig einschätzen

Wie verhält es sich eigentlich mit anderen Tieren, auf die man im Almgebiet treffen könnte? "Goaß (Ziegen) sind eher nicht gefährlich, höchstens der Goaßbock, dieser bockt mit dem Kopf", so Markus und rät, in einer Kampfsituation den Ziegenbock bei den Hörnern zu schnappen. Auch bei Schafen sind - wenn überhaupt - nur Widder gefährlich. Diese nehmen im Kampf immer wieder Anlauf und boxen zu. Als ungefährlich beschreibt Markus Schweine, diese seien nur neugierig. Davon kann man sich auch auf der Riedlalm ein Bild machen.

 

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Markus Stöckl vom Riedlhof ist ein wahrer Kuh- und Tier-Kenner. Seit 1995 führt er seinen Bio-Bauernhof in Leogang mit Kühen, Hühnern und Schweinen. Dazu gehört auch der sehr empfehlenswerte Almausschank Riedlalm, der über eine einfache Wanderung erreichbar ist. Im Sommer nimmt er seine Kühe mit auf die Alm. So sieht er täglich, wie sich Kühe und Menschen begegnen.

Headerbild: Klemens König

Bilder: Saalfelden Leogang Touristik