RUSH300: Mein längster Tag auf dem Rennrad
Um 04:00 Uhr aufstehen, um die nächsten zwölf Stunden auf dem Rennrad zu verbringen und dabei 300 Kilometer zurückzulegen? Für manche klingt das nach einer ziemlich verrückten Idee. Für viele Rennradbegeisterte war dies jedoch ein Tag, auf den sie sich monatelang vorbereiteten und hin fieberten. Auch ich wusste, dass mich eine besondere Herausforderung erwartete. Am Ende wartete weit mehr als nur eine lange Radausfahrt – es war ein Erlebnis, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Was ist der RUSH300 überhaupt?
Der RUSH300 ist ein Rennrad Event, bei dem es darum geht, gemeinsam über sich hinauszuwachsen. In geführten Gruppen, abgestimmt auf verschiedene Geschwindigkeiten fährt man von Saalfelden aus durch wunderschöne Alpenlandschaften ganze 300 Kilometer. Es gibt auch eine Light Variante über 160 Kilometer. Dank Verpflegungsstationen entlang der Strecke, Begleitfahrzeugen und Mechaniker-Service wird man perfekt versorgt und muss sich „nur“ auf die Fahrt konzentrieren.
Der Auftakt: Von Saalfelden zum Pass Thurn
Nun war es endlich so weit. Begleitet vom frühmorgendlichen Vogelgezwitscher machte ich mich auf den Weg zum Start. Nach ein paar kurzen Gesprächen mit bekannten Gesichtern reihten wir Teilnehmer:innen uns in unsere bevorzugten Tempogruppen ein, ehe es endlich losging. Die ersten Kilometer durch das Saalachtal vergingen beinahe wie im Schlaf – was vermutlich auch daran lag, dass der Wecker bereits um 04:00 Uhr geklingelt hatte. Mit den ersten Kehren hinauf zum Pass Thurn war die Müdigkeit dann allerdings endgültig verflogen. Der Puls stieg, die Beine fanden ihren Rhythmus und die Kuhglocken einiger Zuschauer sorgten zusätzlich für Motivation. Nach der Passhöhe und rund 75 Kilometern erreichten wir die erste Verpflegungsstation. Hier bestand die Möglichkeit, in eine andere Tempogruppe zu wechseln oder sich für die kürzere 160-Kilometer-Strecke zu entscheiden.
Gemeinsam Kilometer sammeln
Ich war glücklich mit meiner Gruppe und fühlte mich bereit für die ganzen 300 Kilometer – also ging es weiter. Unsere Route führte uns durch Tirol und schließlich über die Grenze nach Bayern. Die Stunden bis zur nächsten Verpflegungsstation waren gefüllt mit netten Gesprächen und neuen Bekanntschaften. Gemeinsam freuten wir uns über die angenehme Temperatur und die idyllischen Radwege.
Ein persönlicher Meilenstein am Chiemsee
Nach einem Mittagessen und der Hälfte der Strecke in den Beinen folgte der Teil, auf den ich mich besonders gefreut hatte: die Teilstrecke um den Chiemsee. Entlang des Wassers ging es zügig voran und schon bald knackten wir die 200-Kilometer-Marke. Meines längste Radfahrt bis zu diesem Tag waren 180 Kilometer, weshalb ich mich bereits über diesen Meilenstein freute. Zwei Drittel waren also geschafft. 100 Kilometer lagen noch vor uns.
Die letzten Kilometer bis ins Ziel
Schon bald ging es wieder über die Grenze zurück nach Tirol. Obwohl sich meine Beine gut anfühlten, spürte ich die vielen Stunden im Sattel. Zum Glück hatte ich mir ein paar Gummibärchen ins Trikot gesteckt, die mir genug Energie bis zur letzten Verpflegungsstation bei Kilometer 255 gegeben haben. Das Ziel lag schon vor Augen, dennoch fühlten sich die letzten 45 Kilometer länger an als die ersten 100. Doch gemeinsam mit meiner Gruppe, in der wir uns alle gemeinsam motivierten, rollten wir nach über 10 Stunden Fahrzeit ins Ziel. Wir haben’s geschafft!
Die Vorbereitung
300 Kilometer auf dem Rennrad fährt man nicht einfach so. Eine gute Vorbereitung macht den Unterschied. Lange Ausfahrten in den Wochen davor helfen dabei, sich an viele Stunden im Sattel zu gewöhnen. Genauso wichtig sind aber die kleinen Dinge: ausreichend Kohlenhydrate am Tag vor dem Event, ein sorgfältiger Equipment-Check und eine Ernährungsstrategie für unterwegs. Besonders praktisch sind dabei die gemeinsamen Vorbereitungsausfahrten, die im Rahmen des RUSH300 angeboten werden. Dort kann man nicht nur die eigene Form testen, sondern auch das Fahren in der Gruppe und die Verpflegung während langer Distanzen üben.
Was bleibt ist die Erinnerung
Was vom RUSH300 bleibt, sind nicht nur 300 gefahrene Kilometer, sondern vor allem die Erinnerungen an einen besonderen Tag. Die beeindruckende Alpenkulisse, die vielen Begegnungen unterwegs und die einzigartige Atmosphäre machen das Event zu weit mehr als einer langen Rennradtour. Wer die Herausforderung annimmt, wird mit einem unvergesslichen Erlebnis belohnt – und der Erkenntnis, dass sich 300 Kilometer gemeinsam leichter fahren als allein.
Wer jetzt Lust bekommen hat, sich dieser Herausforderung selbst zu stellen, kann sich den Termin bereits vormerken: Der nächste RUSH300 findet am 4. Juli 2027 statt – und vielleicht beginnt an diesem Tag auch dein ganz persönliches Abenteuer auf zwei Rädern.
Bilder: Ole Zimmer