Hello powder, bye bye Alltag!

Wenn ich ans Freeriden denke, ist das wie eine Reise durch mein Leben. Da erscheinen unverspurte Pulverhänge vor meinen Augen, schweißtreibende Aufstiege, komplette Whiteouts, der Übergang vom Snowboard zu Tourenski, Splitboard und Freerideski, spannende Ausbildungen und LVS-Checks, Momente der Herausforderung und des puren Glücks. Da denke ich an die Kraft der Natur, die Stille da draußen und das Gefühl auf Watte zu schweben. Und was für ein Glück wir haben, in dieser Region zu leben, wo sich die besten Abfahrten aneinanderreihen. Aber genug geschwärmt.

Drei Freerider voller Vorfreude

Ich nehme euch heute einfach mit, dann könnt ihr euch selbst ein Bild von unserem Freeride-Paradies machen. Gemeinsam mit meinem Bruder Simon, der im Winter gefühlt mehr Zeit auf dem Snowboard als auf seinen Beinen verbringt, mache ich mich auf den Weg zur Steinbergbahn. Hier treffen wir auf Lukas, einen Mitarbeiter der Leoganger Bergbahnen, der uns heute begleitet. Lukas ist mit seinen Freeride-Skiern unterwegs, wir anderen zwei mit dem Board. Die Steinbergbahn ist für uns der perfekte Ausgangspunkt für unsere Abfahrten, schließlich ist man von Saalfelden kommend hier am schnellsten im grandiosen Skicircus Saalbach Hinterglemm Leogang Fieberbrunn. Und hat somit die Qual (oder das Glück?) der Wahl: Weiter ins berühmte Saalbach Hinterglemm, ins Freeride-Mekka Fieberbrunn oder einfach direkt hier am Asitz bleiben, wo uns der Blick auf die freien Pulverschneehänge schon bei der ersten Liftfahrt kaum mehr ruhig sitzen lässt. Wir bleiben, schließlich ist das Gute schon so nah und wir müssen nachmittags allesamt wieder in die Arbeit.

Abseits, aber sicher!

Die Landschaft sieht aus wie direkt aus dem Bilderbuch! Die letzten Tage hat es geschneit, heute ist der zweite Sonnentag mit leichter Nebeldecke über dem Saalfeldner Becken. Die Sicht auf die angezuckerten Leoganger Steinberge ist grandios. Ob wir wohl noch guten Powder finden? Wir fahren mit der Asitzgipfelbahn nach oben, wo sich ein LVS-Check befindet. Unsere LVS-Geräte sind in Ordnung. Den Lawinenlagebericht haben wir schon in der Früh gecheckt, mit einem 3er ist nicht zu spaßen und so werden wir uns heute nicht allzu weit hinauswagen. Der Skicircus bietet mit dem Lawinenlagebericht LO.LA übrigens ein ganz besonderes Tool, das die Lawinensituation speziell in der Region bewertet.

Vom Freeride-Park zum Pulverhang

Wir starten in den Freeride-Park, wo sich feinste Obstacles und Jumps im Gelände verstecken. Die Jungs sliden über eine Box, während ich mich an einem kleinen Sprung versuche und den Ritt durchs Gelände genieße. Der Tiefschnee ist hier schon ziemlich zerfahren, volle Konzentration ist angesagt. Spaß macht es trotzdem, das Spiel mit dem Schnee. Der nächste Lift bringt uns nach oben und wir entdecken fast neben der Piste ein unverspurtes Stück Powder. Nach einem kurzen Hike sind wir am Ausgangspunkt, genießen die Aussicht auf die beeindruckenden Gebirgszüge und los geht’s. Der Schnee ist perfekt, es staubt bei jedem Schwung und wir alle jubeln. Laut, denn bei so einer Abfahrt gehen die Emotionen hoch. Weitere Runs folgen. Wir bleiben nah an den Pisten, finden tatsächlich noch ein paar geile Powderhänge sowie anspruchsvolle Waldstrecken und lassen es ordentlich krachen. Die Jungs spielen richtig schön mit der Landschaft, springen über Felsen, entdecken Pillows und Drops.

Was für ein Tag!

Freeriden beginnt, wo die Piste endet. Den Satz habe ich mal irgendwo gelesen und seitdem geht er mir nicht mehr aus dem Kopf. Weil es stimmt. Freeriden passiert nicht immer ganz weit weg von den Liften in felsigstem Gelände. Freeriden kann man auch direkt im Skigebiet und braucht dafür nicht mal so viel Zeit. Und trotzdem bist du mitten in der Natur. Unser Freeride-Vormittag neigt sich dem Ende. Nach dem letzten Run strahlen wir uns aus geröteten Gesichtern an. „Was für ein Tag!“, sind wir uns einig. Am Nachmittag erwartet uns die Arbeit, aber das Wochenende ist nicht mehr weit: Simon hat eine Splitboardtour geplant, Lukas zieht es wieder in den Skicircus und ich werde meine Tourenski ausführen.

Hier noch 5 Tipps von uns für noch mehr Freeride-Spaß:

  1. Lawinenlagebericht checken (www.lawine.at bzw. LO.LA für den Skicircus), dementsprechende Touren wählen und unbedingt Sicherheitsausrüstung mitnehmen.
  2. Für den Skicircus gibt es eine handliche Freeride-Map, die ausgewiesene Freeride-Strecken anzeigt.
  3. Spuren im Schnee nur dann folgen, wenn du ganz genau weißt, wo sie hinführen oder jemand dabei ist, der sich sicher auskennt. Auch wenn der Reiz noch so groß ist, die Gefahr ist es auch!
  4. Für erste Freeride-Erfahrungen unbedingt einen Guide engagieren! Und nur ins Gelände starten, wenn du die Piste bereits gut beherrscht.
  5. Spaß haben: Auch wenn die Bedingungen mal nicht perfekt sind, genieße die Zeit in der Natur, lerne von den unterschiedlichen Schneearten und lasse dich ganz auf die Landschaft ein.