Der erste Tag am Bike im Bikepark Leogang

Worin liegt er eigentlich, der Reiz des Neuen? Warum gibt es Menschen, ich zähle mich eindeutig zu ihnen, die immer wieder an ihre Grenzen gehen wollen. Die die eigene Komfortzone verlassen und den Schritt ins Unbekannte wagen müssen? Fragen wie diese geistern mir durch den Kopf, als ich vor der Asitz-Talstation auf mein heutiges Abenteuer warte. Obwohl, besser gesagt warte ich natürlich auf Franz, genannt JJ, den ich genau hier in den nächsten Minuten treffen soll. Schön langsam steigt die Aufregung in mir und mein Adrenalinspiegel war auch schon einmal niedriger. Ein Blick um mich und hinauf auf den Berg zeigt mir eindrucksvoll, dass ich hier genau am richtigen Ort bin. Saalfelden Leogang als Bike Eldorado in den österreichischen Alpen zu bezeichnen wäre sicherlich keine Übertreibung, sondern käme dem, was ich gerade sehe, wohl schon sehr nahe. Biker mit ihren Downhillern und Enduros tummeln sich hier unten, kaufen sich Liftkarten, lachen, tauschen Erfahrungen aus und nehmen die Rolltreppe hinauf zur Gondel. Im Park über mir geht es trotz der frühen Uhrzeit bereits voll zur Sache. 9 unterschiedliche Strecken gehen kreuz und quer den Berg herunter und enden alle an dieser einen Stelle. Speedster, Hang Man, Flow Master, Hot Shots und wie die Tracks sonst noch alle heißen mögen, weisen die unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrade auf und richten sich an Biker aller Könnensstufen. Vom Anfänger bis zum Profi finden hier alle genau den Spielplatz an Möglichkeiten, den sie gerade brauchen. 

Aller Anfang ist schwer - und macht einfach Spaß!

Lachend kommt JJ aus dem Shop von Sport Mitterer und begrüßt mich mit einem saloppen Spruch. Der hat leicht lachen, denk ich mir noch, als mir mein Mountainbike-Guide für die kommenden Stunden auf die Schultern klopft und mir Isabella, offenbar meine heutige Mitstreiterin, vorstellt. Die Saalfeldnerin spielte schon lange mit dem Gedanken mit dem Mountainbiken zu beginnen und gemeinsam mit mir will sie sich heute von JJ in dessen Kunst einweisen lassen. Beim Anpassen der Bikes, wir bekommen übrigens Freeride-Räder, während unser Guide mit seinem Downhiller unterwegs ist, erzählt er uns ein bisschen aus seinem Leben und den Möglichkeiten in Saalfelden Leogang. Die seien wirklich riesengroß und da der Tiroler noch weit in diesem Sport kommen möchte, lebt er den Sommer über hier. Neben dem Trainieren verdient er sich sein Geld als Guide in der Bikeschule Elements von Sabine Enzinger und verbringt so mindestens acht Stunden täglich im Sattel. Nachdem wir unsere Schützer angelegt und den Helm aufgesetzt haben, geht es dann auch schon los. Sehnsüchtig blicke ich auf die über uns vorbeifahrende Gondel, während wir im Schritttempo auf dem Förderband zwischen den Beginnertrails nach oben fahren. Denn auch im Biken ist aller Anfang schwer und zumindest am Vormittag bleiben wir drei hier unten bei den Rookies im Riders Playground, während Fortgeschrittene und Profis sich am Berg oben über die Trails stürzen. Hier erlernt man die Grundlagen des Bikens im Park völlig ohne Überforderung und Schritt für Schritt.

Bremsen, in die Kurve blicken, lenken und loslassen. Ich glaube, von diesem Ablauf werde ich heute Nacht noch träumen. Denn immer wieder hämmert uns JJ das richtige Verhalten in Kurven ein. „Dorthin wo man schaut, fährt man auch“, ruft er lachend und zeigt uns unermüdlich, wie es richtig geht. Und ehrlich gesagt: Der Kerl hat recht! Immer besser nehmen wir die Steilkurven der Trails hier unten und schön langsam stellt sich ein erstes Maß an Sicherheit am Bike ein. Ein bisschen in die Knie gehen, ordentlich Grip auf den Pedalen haben und die Arme abwinkeln, um Schläge auszugleichen. Dabei die Bremskraft auf Vorder- und Hinterbremse verteilen und schon geht es gleich viel leichter. Nachdem wir dann auch noch auf der Drop Line die ersten kleinen Sprünge gelandet sind, geht es weiter zum Riederfeldlift. Offensichtlich sieht mir JJ das große Fragezeichen über meinem Kopf an, denn bevor ich die Frage überhaupt stellen kann, gibt er mir schon die Antwort: „Ja, auch mit dem Bike kann man Schlepplift fahren!“ Spricht’s und steckt mir den Bügel bereits hinter die Sattelstange. Wahnsinn, das ging ja leichter, als ich dachte! Gemütlicher geht’s ja kaum!

Auf Enduros, Freeridern, und Downhillern durch die Berge

Warum eigentlich Mountainbiken? Diese Antwort fällt mir ziemlich leicht. Es muss vor ein paar Wochen gewesen sein, da habe ich den Begriff ‚Big 5 Bike Challenge’ zum ersten Mal gehört und war sofort angefixt, diese unbedingt einmal selber zu erleben. Fünf Berge, fünf Seilbahnen und ein Bike-Abenteuer, das man so in Österreich an einem Tag sicherlich kein zweites Mal erleben kann. Rund um Leogang und Saalbach Hinterglemm führt einen diese XXL-Tour am Sattel seines Enduro-Bikes. Dabei bewältigt man etwas über 5.000 Höhenmeter. Davon nur 500 Höhenmeter per Muskelkraft, den Rest erledigt die Gondel für einen. Ein Wahnsinn! Doch dafür muss man Biken können! Und deshalb sitze ich hier. Auf meinem Bike im Schlepplift und fahre dem Greenhorn Trail entgegen – unserer letzten Herausforderung, bevor es dann hinauf auf den Asitz geht. Die 800 Meter lange Freeride-Strecke dient dazu, das bereits Gelernte umzusetzen und die Sicherheit in den Kurven noch zu erhöhen. Drei Mal geht es über den Trail, immer schneller und dynamischer, dann meint JJ, wir wären so weit, auf den Berg zu fahren. Wieder steigt die Aufregung, doch diesmal absolut freudiger Natur. Zwei Bikes in die Kabine, eines wird außen aufgehängt, und schon geht es über den Bikepark hinauf in luftige Höhen. 

Während JJ sich gemütlich zurücklehnt, sehen Isabella und ich staunend nach unten. Ein ganzes Netz aus Trails gibt es hier zu sehen. Biker werfen sich akrobatisch über große Kicker, nehmen Steilkurven mit voller Geschwindigkeit und fliegen über die Wege, als würden sie Stock und Stein nicht einmal spüren. Mein Respekt vor diesen Ridern ist riesengroß und die Faszination für den Sport steigt proportional zu den in der Gondel zurückgelegten Höhenmetern. Immer wieder können wir von hier aus auch einen Blick auf die WM-Strecke werfen, auf der sich jährlich die Besten der Besten im Rahmen des Out of Bound Festivals im Downhill-Weltcup messen und auf der 2020 bereits zum zweiten Mal die UCI Mountainbike Weltmeisterschaften durchgeführt werden. Bei der Asitz Mittelstation machen wir dann erst einmal Pause und laden unsere Akkus in einer der gemütlichen Hütten beim Mittagessen auf. Anschließend gehen wir noch ein paar Schritte am Asitz herum, lassen uns vom Spaß der vielen Kinder am Berg der Sinne anstecken und genießen den imposanten Blick auf die Leoganger Steinberge. Am Ufer von ‚Stille Wasser am Asitz’ setzen wir uns noch eine Weile lang nieder und genießen die Ruhe. Hier kann man wunderbar runterkommen und entspannen. Doch nicht für lange, denn dann wird es für uns zum ersten Mal heute so richtig ernst...

Hot Shots - fired by GoPro, Flying Gangster und Co.

Steilkurve nach links, Steilkurve nach rechts, dazwischen ein leichter Hügel und dann das Spiel wieder zurück auf Anfang. Hangman II, einer der leichteren Tracks am Berg, zeigt uns deutlich, wer denn hier der Boss ist und dass wir noch viel zu lernen haben. Drei Mal nehmen wir den rund drei Kilomater langen Trail und JJ zeigt uns immer wieder, was wir denn noch besser machen könnten. Von Mal zu Mal werden unsere Lines sicherer und auch wenn wir immer noch von den guten Ridern überholt werden, fühlen wir uns schön langsam wie richtige Biker. Zum Abschluss des Tages fahren wir dann ganz nach oben auf den Asitz und lernen mit Hot Shots – fired by GoPro und Flying Gangster zwei weitere Tracks kennen. Wahnsinn, was für ein intensiver Rausch der Gefühle! Müde, mit schweren Armen und Beinen, aber überglücklich geben wir im Tal unsere Bikes und Ausrüstung im Bikeverleih zurück, verabschieden uns voneinander und ziehen alle drei von dannen. Jedoch nicht für lange, denn bereits für das nächste Wochenende haben Isabella und ich uns wieder zum Biken hier in Leogang verabredet. Warum also Abenteuer und das Verlangen, Neues zu erleben? Na weil es nichts Besseres gibt, oder?

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