Wenn Musik in Bewegung gerät: Das 46. Jazzfestival Saalfelden
Mit den letzten Tönen am gestrigen Abend im Nexus, dem musikalischen Wohnzimmer des Jazzfestivals Saalfelden, ging die 46. Ausgabe zu Ende. Vier Tage lang war Saalfelden wieder ein Ort, an dem Musik weniger als fertiges Produkt, denn als Prozess zu erleben war. Rund 29.000 Konzertbesuche verzeichnete die 46. Ausgabe des Jazzfestivals Saalfelden bei insgesamt 56 Konzerten, mehr als die Hälfte davon bei freiem Eintritt –– doch die eigentliche Bilanz lässt sich kaum in Zahlen fassen. Sie liegt in den besonderen Augenblicken auf und vor der Bühne, zwischen Musiker:innen und Publikum, zwischen Jazz und unterschiedlichsten musikalischen Welten.
Schon der Auftakt machte klar, wohin die Reise geht. Bei der traditionellen Bergwanderung als inoffizieller Auftakt am Donnerstagmorgen wurde Musik zur Bewegung durch die Landschaft, bevor sie in den folgenden Tagen die Bühnen der Stadt eroberte. 175 Künstler:innen aus 26 Nationen brachten ihre unterschiedlichsten musikalischen Ideen nach Saalfelden – von konzentrierter Improvisation bis zu ausufernden Ensembleprojekten, von fragilen Sounds bis zu großer kollektiver Energie.
Yvonne Moriel eröffnet mit „Strange Motion“ die Mainstage
Ein mit Spannung erwarteter Programmpunkt war das Eröffnungskonzert der Mainstage am Freitag von Yvonne Moriel. Die Tiroler Saxofonistin und Flötistin, 2024 mit dem Österreichischen Jazzpreis als „Best Newcomer“ ausgezeichnet, erhielt den traditionellen Kompositionsauftrag des Festivals und präsentierte mit ihrem Sextett „Strange Motion“ eine Musik, die von Offenheit und Neugier geprägt war.
Mit Manu Mayr, Antonis Anissegos, Miriam Adefris, Toma Gouband und Max Andrzejewski trafen Musiker:innen mit unterschiedlichen Erfahrungen und musikalischen Biografien aufeinander. Aus sechs Individuen sollte, wie Moriel selbst formulierte, eine Einheit werden. Genau darin lag die Spannung dieser Musik: im permanenten Versuch, aus Verschiedenheit das Gemeinsame zu entwickeln.
„The Big Shake“ – und ein Moment, der bleibt
Einer der emotionalen Höhepunkte des Festivals trug sich mitten in der Stadt zu: „The Big Shake“ startete am Rathausplatz und zog als rund 70-köpfige Marching Band zum Stadtpark. Shake Stew rund um Lukas Kranzelbinder traf dabei auf die Bürgermusik Saalfelden und die Eisenbahner Stadtkapelle Saalfelden.
Zehn Jahre nach den ersten internationalen Erfolgen von Shake Stew wurde aus Jazz, Blasmusik und Improvisation ein musikalischer Pilgerzug durch die Stadt, voller Energie und Inspiration. Die Musik schien den Menschen entgegenzukommen, löste die klassischen Grenzen zwischen Bühne und Publikum auf und sorgte für einen jener seltenen Momente, die zu Tränen rühren können.
Improvisation ist auch eine Frage der Haltung
Dass Improvisation in Saalfelden nicht nur ein musikalisches Stilmittel ist, zeigte sich auch abseits der Setlists. Kurzfristige, krankheitsbedingte Ausfälle stellten das Festivalteam vor Herausforderungen, Ersatz wurde gefunden, Abläufe wurden verändert, Musiker:innen sprangen ein. Das Team reagierte darauf mit jener Flexibilität, die auch gute Improvisation auszeichnet: zuhören, reagieren, weitermachen.
Auch für jene, die nicht persönlich in Saalfelden dabei sein konnten, gab es die Möglichkeit, Festivalstimmung mitzuerleben: Ö1 übertrug nicht nur die Samstagskonzerte mit dem Darius Jones & Otomo Yoshihide Quintet sowie dem Chicago Underground Duo live, sondern zeichnete auch weitere Konzerte auf. Darüber hinaus veranstaltete Ö1 einen Ö1 Kulturtalk, der das Festivalprogramm und aktuelle Themen rund um den Jazz in den Mittelpunkt stellte.
Musik im Fluss
Das Jazzfestival Saalfelden bestätigte auch in seiner 46. Ausgabe seine Rolle als international renommierte Kulturveranstaltung mit festen Wurzeln in der Region. Es ist ein Ort für musikalische Entdeckungen ebenso wie für Begegnungen, zwischen Künstler:innen und Publikum, zwischen internationalen Positionen und regionalen Traditionen, zwischen Natur, Stadt und Konzertsaal.
Das Jazzfestival Saalfelden hat auch in seiner 46. Ausgabe gezeigt, dass seine Stärke genau darin liegt: Musik in Bewegung zu halten.
Der künstlerische Leiter Mario Steidl: „Am Ende des Festivals bleibt vor allem ein Gefühl von Euphorie und der Wunsch, mit all diesen wunderbaren Künstler:innen weiterzuarbeiten, Momente zu schaffen, Räume zu öffnen."
Marco Pointner, Veranstalter des Jazzfestivals Saalfelden: „Das Jazzfestival Saalfelden feierte heuer seine 46. Ausgabe und blickt einmal mehr auf ein äußerst erfolgreiches Festival zurück. Mit rund 29.000 Konzertbesuchen konnte die Zahl der Konzertbesuche gegenüber dem Vorjahr nochmals leicht gesteigert werden. Auch bei den verkauften Tickets erreichte das Festival nahezu das Rekordergebnis von 2025. Besonders erfreulich ist die kontinuierliche Entwicklung des Publikums. Neben zahlreichen internationalen Gästen und einer wachsenden Zahl jüngerer Besucher:innen bleibt auch die regionale Verankerung des Festivals stark. Damit bestätigt das Jazzfestival Saalfelden seine Rolle als international renommierte Kulturveranstaltung mit tiefen Wurzeln in der Region.“
Auch wirtschaftlich bleibt das Jazzfestival ein bedeutender Impulsgeber für Saalfelden Leogang. Die Veranstaltung trägt wesentlich zur touristischen Wertschöpfung bei und stärkt die Position Saalfelden Leogang als international anerkannten Kultur- und Veranstaltungsstandort.
Organisiert wurde das Festival mit einem Gesamtbudget von rund 880.000 Euro. Dank einer soliden wirtschaftlichen Entwicklung und der hohen Nachfrage kann das Festival auch 2026 auf eine erfolgreiche Bilanz verweisen.
Nach einer weiteren erfolgreichen Ausgabe richtet sich der Blick bereits nach vorne:
Das 47. Jazzfestival Saalfelden wird auch im kommenden Jahr wieder Musiker:innen und Musikbegeisterte aus aller Welt zusammenbringen und die Stadt für einige Tage zu einem einzigartigen Zentrum der internationalen Jazzszene machen.
10. “3 Tage Jazz” Festival Saalfelden Leogang: 22.–24. Jänner 2027
47. Jazzfestival Saalfelden: 19.–22. August 2027