„3 Tage Jazz“ Saalfelden Leogang 2027: Das vollständige Line-up zum 10-Jahre-Jubiläum

Dienstag, 03.11.2026

„3 Tage Jazz“ Saalfelden Leogang 2027: Das vollständige Line-up zum 10-Jahre-Jubiläum

Vom 22. bis 24. Jänner 2027 feiert das „3 Tage Jazz“ Festival Saalfelden Leogang sein zehnjähriges Bestehen.

Nachdem in der ersten Vorschau bereits das Jubiläum sowie erste Namen wie Henri Texier, Das Kapital, Helene Glüxam und das Duo Ramification angekündigt wurden, steht nun das gesamte Programm fest. Es ist ein Ausblick auf elf Konzerte an fünf sehr unterschiedlichen Spielstätten, die weniger nach bequemem Konsens suchen als vielmehr nach dem Reiz des stilistischen Eigensinns.

Eine Hommage an Bud Powell im Kunsthaus Nexus
Den Prolog bildet am Donnerstagabend das Kunsthaus Nexus bei freiem Eintritt mit Haeyong Moons Dokumentarfilm „BUD LIVES! – A Love Letter to Bud Powell“. Die Arbeit verneigt sich vor dem Genie des Bebop und beleuchtet das Werk des legendären US-amerikanischen Pianisten ebenso feinfühlig wie die gesellschaftlichen und persönlichen Brüche, die sein Schaffen begleiteten. 

Der Freitag an drei Spielorten
Der eigentliche Konzertreigen startet am Freitag mit einem kostenlosen Konzert am neuen Spielort des Jubiläums, dem Museum Schloss Ritzen, wo der in Wien lebende iranische Gitarrist Mahan Mirarab in seinem Projekt „Unspoken“ mit Daniele Camarda und Golnar Shahyar musikalische Narrative um Fragen von Identität und Heimat entwirft.
Ungewöhnlich wird es anschließend in der Stadtpfarrkirche mit BITOI („Bass Is The Original Instrument“). Der schwedische Bassist Cassius Lambert hat dafür Vogelgesänge phonetisch aufgeschrieben und sie gemeinsam mit den Sängerinnen Alexandra Shabo, Lydia Cronberg und Ella Cronberg in vielschichtige Gesangsstücke verwandelt. Das Ergebnis ist ein Vokalprojekt, das mit drei Stimmen und einem E-Bass auskommt. Lambert selbst bezeichnet diesen Weg als „Miximalismus“ – viel Bewegung im Klang mit erstaunlich wenigen Mitteln.
Im Kunsthaus Nexus übernimmt danach das Trio EKO. Saxofonist Daniel Erdmann und Gitarrist Kalle Kalima holen mit Mia Ohlmeier eine junge Schlagzeugerin mit auf die Bühne, um zu sehen, was musikalisch möglich ist. Das Trio vertraut ganz auf die Offenheit im Moment und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen. Den Schlusspunkt des ersten Konzertabends setzt schließlich Langendorf United. Das schwedische Quintett um Saxofonistin Lina Langendorf versteht sich als echtes Kollektiv, das treibende Grooves, knackige Bläsersätze und Einflüsse von Soul bis zu afrikanischen Rhythmen mit einer gehörigen Portion Neugierde und Humor verbindet.

Samstag zwischen Asitz und Museum Schloss Ritzen
Der Samstag beginnt mit einem kostenlosen Konzert und einer Prise Selbstironie hoch oben auf dem Berg: Im AsitzBräu servieren „Die begnadigten Pädagogen“ nach 35 Jahren Bandgeschichte eigene Stücke,  interpretieren aber auch Hard-Rock-Klassiker auf ihre unnachahmliche Weise ganz neu.
Den kammermusikalischen Gegenentwurf liefert am Nachmittag Kalle Kalima im Hinterhof des Museums Schloss Ritzen – ebenfalls bei freiem Eintritt. Dort führt er vor, wie weit man eine E-Gitarre jenseits gewohnter Spielweisen treiben kann. Der finnische Gitarrist arbeitet mit Effekten wie auch ungewöhnlichen Präparationen, lässt Bekanntes auf freie Improvisation treffen und beweist, dass musikalische Experimentierfreude keine Frage der Besetzung ist.

Ein langer Konzertabend im Nexus
Drei sehr unterschiedliche Positionen stehen am Samstagabend im Kunsthaus Nexus auf dem Programm. Das Kapital, das deutsch-dänisch-französische Trio um Daniel Erdmann, Hasse Poulsen und Edward Perraud, feiert 2027 sein 25-jähriges Bestehen. Mit „Europa, mon amour“ widmet es sich einem Kontinent, der derzeit genügend Anlass für musikalische Kommentare bietet.
Anschließend treffen die beiden Bratschistinnen Flora Geißelbrecht und Jelena Popržan aufeinander. Ihr Duo „Ramification“ bewegt sich zwischen Komposition und Improvisation, Klassik und Volksmusik, Ernst und Vergnügen. Zum Abschluss kommt mit Henri Texier einer der großen europäischen Jazzbassisten nach Saalfelden Leogang. „Healing Songs“ versammelt ältere Kompositionen, die der Franzose angesichts einer zunehmend unübersichtlichen Welt neu für sich entdeckt hat. Ein schöner Hinweis darauf, dass Musik auch Trost spenden kann.

Zwei österreichische Projekte zum Finale 
Der Abschluss am Sonntag gehört im Bergbau- und Gotikmuseum Leogang zwei österreichischen Formationen. Neben der bereits angekündigten Kontrabassistin Helene Glüxam, die in ihrem Soloprojekt „Nachtvogel“ den spannungsvollen Bogen zwischen tiefen Frequenzen und schwebendem Gesang zieht, setzen Avin Ahmadi, Lorenz Widauer und Albin Ormegard den Schlusspunkt. In der seltenen Besetzung aus Oud, Trompete, Gitarre und Gesang lässt das dreiköpfige Kollektiv im Projekt „Until We Meet Again“ viel Raum für das konzentrierte Zuhören im Augenblick. Ein leiser, nachhaltiger Schlusspunkt für drei Tage abseits des Gewöhnlichen.